Herr Gibbs wandte sich zu mir, sah mich freundlich an und meinte: “Du würdest uns jedenfalls einen riesigen Gefallen tun, wenn du es versuchen würdest. Wenn du magst, kannst du ja den Slip anbehalten. Aber ich bin sicher, du bist vom Kopf bis zu den Zehen eine makellose Schönheit, die ich selber gerne zeichnen würde. Also was ist?”
Nie und nimmer, dachte ich. Ich bin nicht Martina, die Stripperin, die sich den anderen zur Schau stellt, vermutlich sogar anschafft.
Und doch. Es ging um eine Studie des menschlichen Aktes, die bildhafte Darstellung des menschlichen Körpers. Konkret meines Körpers, und der war zumindestens nicht so, dass ich mich verstecken müsste…
Wortlos zog Herr Gibbs zwei Scheine aus der Tasche und legte sie vor sich auf den Tisch. Ich nickte und fühlte einen Kloß im Hals, als ich sagte: “Also schön, ich mach’s”.
Mit zitternden Knien ging ich nach vorne. Mist, ich würde mich nicht vor den anderen ausziehen.
“Wen du magst, kannst du dich nebenan umziehen”, schlug Herr Gibbs vor und ich war ihm wirklich dankbar dafür. Ich nickte und ging in den Nebenraum, in dem auf langen Regalen Arbeitsmaterialien und Stapel mit Zeichnungen gelagert waren.
Rasch entledigte ich mich meiner Sachen und warf sie über einen Stuhl. Einen Moment zögerte ich, ob ich den Slip anbehalten sollte, wie der Dozent vorgeschlagen hatte, doch ich biss die Zähne aufeinander und sagte zu mir selber: “Wenn schon, dann auch richtig.” Zum Glück war mein wilder Busch zu einem schmalen Streifen auf dem Venushügel zurecht gestutzt, auch wenn es mir vermutlich leichter gefallen wäre, wenn meine Schamlippen wenigstens ein bisschen mit Haaren bedeckt gewesen wären.
Einen Moment stand ich da, atmete ein und aus, dann nahm ich meinen Mut zusammen, öffnete die Türe zu unserem Seminarraum und betrat die Klasse.
Zuerst herrschte ein Moment absoluter Stille während mich alle Augen von oben bis unten musterten. Ich wartete auf eine dumme Bemerkung über die Größe meiner Brüste, doch blieb sie mir erspart.
Martina war es schließlich, die in Worte fasste, was die anderen dachten: “Wow, Baby, du siehst absolut zum Anbeißen aus! Eine schlanke Figur, mädchenhafte Rundungen und eine Haltung wie ein Engel.”
Ich lächelte und stellte mich in ein paar Posen vor die Kommilitonen. Zuerst posierte ich in einer der Ballett-Grundstellungen, wechselte zu einem Plie und vollführte eine kleine Drehung für meine Zuschauer.
“Wie soll ich mich aufstellen?”, fragte ich sie.
“Zeig uns ein paar deiner Posen”, schlug Herr Gibbs vor. Ich posierte weiter, und einige der Studenten gaben Kommentare dazu ab.
Schließlich wechselte ich in die Arabesque, das linke Bein weit in die Luft gespreizt, rechts auf den Zehenspitzen, und verharrte vor der Klasse.
“Ja, das ist es!”, rief eine der Studentinnen und die anderen waren sich einig, dass sie mich so zeichnen wollten.