Die Stadt lag ruhig und friedlich da. Wir eilten durch die menschenleeren Gassen, darauf bedacht, niemandem zu begegnen.
Wir erreichten das Stadttor noch ehe die fahrenden Händler zum Markt nach Omania kamen. Auf einem verlassenen Hof am Rand der Stadt wuschen wir uns das Blut vom Körper, wechselten die Kleider und verbrannten die Nonnengewänder. Um das kleine Tagelöhnerhäuschen machten wir einen großen Bogen. Das Risiko, dass dort bereits Soldaten auf uns warteten, war zu groß. Bestimmt würde sich einer der Nachbarn um unseren Esel Benno kümmern.
Das Versteck im Wald war unberührt. Wir entnahmen ihm den größten Teil des Gelds und so viel Reisegepäck, wie wir beide tragen konnten. Damit waren wir für einen Neuanfang irgendwo bestens gerüstet, auch wenn wir einen großen Teil unserer Habe zurücklassen mussten.
Wir durchquerten Kalidamo und versteckten uns ein paar Tage bis wir sicher waren, dass die Straßen nicht von Soldaten, die nach einem flüchtigen Mörder fahndeten, gesperrt waren.
Eine Woche später überquerten wir die Grenze und verließen das Land in Richtung Süden. In den Bergen hofften wir, eine neue Heimat zu finden, um dort neu zu beginnen.
Erst Monate später erfuhren wir, was von dem gewaltsamen Tod des Kardinals nach außen gedrungen war: Zwei Nonnen hätten sich heimlich Zutritt verschafft, erzählte man. Eine sei jung und von anmutiger Gestalt gewesen und hätte den hohen Herrn verführt. Die andere jedoch sei eine Hexe gewesen, alt und von hässlicher Gestalt. Manche sagen, sie hätte sogar den Fuß eines Pferdes gehabt. Aus Neid hätte sie die Mitschwester vergiftet und den Kardinal verstümmelt und erstochen. Von ihr fehlt seither jede Spur.
Manche glauben, sie würde in Kalidamo ihr Unwesen treiben. Andere schwören, sie dort bei satanischen Ritualen gesehen zu haben. Wieder anders sind sicher, dass die Hexe nach ihrer Tat direkt zur Hölle gefahren ist.
Doch niemand sucht nach zwei einfachen Mägden, die ein ehrliches Leben als Weberinnen begonnen haben und auf dem Markt von Carima Leibwäsche und Festgewänder feilbieten.
- ENDE -


