Der Wald wurde dunkler, dichter. Ich folgte einem Pfad, der an vielen Stellen von dichtem Gestrüpp überwachsen war, so dass ich oftmals anhalten musste, um zu erkennen, wohin der Weg weiter führte.
Raben saßen auf den Bäumen. Ihr Gekrächze dröhnte in meinen Ohren. Es kam mir vor, als wollten sie mich warnen, tiefer in den Wald einzudringen.
Pilze wuchsen am Wegrand. Einige davon hatte ich noch nie zuvor gesehen. Oh könnte ich doch Schwester Beata in ihrer grenzenlosen Weisheit fragen! Sie hätte mir sicher beantworten können, welche Pilze giftig und welche zum Verzehr geeignet waren.
Ich würde es selbst herausfinden müssen… Ein paar pflückte ich ab, wickelte sie sorgsam in kleine Beutel und verstaute sie in einen meiner Körbe.
Am späten Nachmittag hatte ich das Gebirge hinter mir und erreichte die Ebene. Der Wald lichtete sich ein wenig und schließlich stand ich am Waldrand. Nicht weit entfernt lag ein kleines Dorf, kaum mehr als eine Hand voll Höfe, eine kleine Kapelle. Die Ruine einer kleinen Festung auf einem Hügel gegenüber ließ ahnen, dass der Ort in der Vergangenheit von größerer Bedeutung gewesen sein musste.
Ich war erstaunt über die Ruhe und den Frieden, der hier herrschte. Als ich in das Dorf hinein ritt, schienen die Gassen menschenleer. Ich sah in die Gärten, die Höfe. Waren die Bewohner den um diese Zeit alle noch auf dem Feld? Nirgendwo stieg Rauch auf. Langsam wurde die Stille um mich bedrückend. Ich suchte nach einer Taverne. Dort musste doch jemand anzutreffen sein! Doch die einzige Wirtschaft des Ortes war geschlossen, die Läden geschlossen.
Minuten später erreichte ich die Kapelle. Sie stand inmitten des Dorfes auf dem Platz, der offensichtlich früher einmal der Marktplatz gewesen sein musste. Heute war er ein einziger Gottesacker. Improvisierte Holzkreuze, wenige grob behauene Grabsteine, welke Blumen und einige frische Gräber waren die letzten Spuren von menschlicher Existenz, die sich hier fanden. Das Dorf war ausgestorben!
Mich durchfuhr ein Schauer. Einige Fetzen aus Erzählungen der Marktweiber kamen mir ins Gedächtnis: „Dieser Ort ist verflucht“ – „Die Pest ist eine Strafe Gottes für ihre Sünden“ – „Es herrscht Unzucht und Völlerei fernab der Stadt“ und einiges mehr.
Hatte ich noch wenige Augenblicke zuvor gehofft, die Nacht in dem Dorf in einem weichen Bett oder in einem warmen Lager im Heu eines Bauern verbringen zu können, bekam ich nun eine Heidenangst vor diesem Ort, wo ich keinen Augenblick länger verweilen wollte. Dieses Dorf war verflucht und ich hatte keine Lust, dem Teufel selbst hier zu begegnen.
Fortsetzung folgt


